Skopje – Mai 2026
Für unseren diesjährigen Kurztrip haben wir kurzerhand die Flugpreise entscheiden lassen und sind nach Skopje geflogen. Eine Vorstellung hatten wir zunächst nicht waren aber sehr gespannt was uns wohl erwarten würde.
Bei einem ersten Rundgang am Nachmittag unserer Ankunft war Ursula beeindruckt von den riesigen Statuen, die überall in der Stadt stehen, konnte diese Stadt zwischen pompösen Gebäuden und Bauruinen aber so gar nicht verstehen, weshalb wir sie uns auf einer Walking Tour von Alexandra näher bringen ließen.
Eine 8000jährige Geschichte mit 3 bekannten schweren Erdbeben und einem großen Feuer machten es nötig Skopje immer wieder von Grund auf neu zu errichten. Viele Völker eroberten die Stadt über die Jahrhunderte, Skopje war einst die Hauptstadt des Ottomanischen Reiches auf dem Balkan, markant auf den Handelsrouten und auch heute merkt man diese bewegte Geschichte immer noch an vielen Orten. Der zweitgrößte Basar Europas findet man hier genauso, wie viele neoklassizistische Neubauten und brutalistische Architektur findet man vielerorts, nicht immer schön, aber besonders. Aber auch das ständige hin und her vom ehemaligen Jugoslawien bis heute hat hier gefühlt immer wieder Unruhe ins Land gebracht. 1963 wurde Skopje außerdem beim letzten großen Erdbeben weitgehend zerstört, bis zu 80% der Gebäude in der Stadt wurden zerstört, weshalb daraufhin viele der heutigen Gebäude neu gebaut wurden. Beim Großprojekt Skopje2014 wollte die damalige Regierung dann nochmal ganz groß auftrumpfen und errichtete etliche mächtige Gebäude am Fluss, u.a. einen Triumphbogen und, von vorne mächtiges Museum und einen Aussichtsturm auf dem Hausberg Mt. Vodno. Manche wurden fertiggestellt, andere fielen den (durch Korruption) stetig steigenden Baukosten zum Opfer und fristen seitdem ihr Dasein als Bauruinen. Und so ist Ursulas erster Eindruckt gar nicht so verkehrt… so richtig verstehen kann man das hier alles nicht.
Der Informationen nicht genug, buchten wir uns direkt noch eine Brutalism-Tour am Nachmittag 😃 In diesem Architekturstil der 50er-70er Jahre werden die verwendeten Matrialien ungefiltert und „ehrlich“ gezeit, funktional, kantig und ohne viel Schmuck oder Dekoration, teilweise unfertig wirkend, was heute im krassen Gegensatz zu den vielen Neoklassizistischen Bauten der neueren Zeit steht.
Nach dem großen Erdbeben 1963 erbaute man viele offizielle Gebäude in diesem Stil und hatte noch zahlreiche Ideen, die irgendwann aber dem niedrigen Budget zum Opfer fielen.
Die Tour startete an der brutalistischen Unversitätsbibliothek, die einem traditionellen mazedonischen Haus mit Ornamenten nachempfunden ist und ging weiter zur Universität, deren Architekt sich wiederum am Bazarviertel mir den vielen kleinen Häusern orientiert hat. Unter diesem Aspekt wirklich ein beeindruckendes Gebäude, das unsrer Interesse für Brutalismus geweckt hat.
An der Akademie der Wissenschaften vorbei zogen wir zum Operngebäude, das einen brutalistischen Eisberg zeigen soll und Teil eines größeren Komplexes werden sollte, der nie fertig gestellt wurde.
Es folgte die womöglich ersten Mall Jugoslawiens und die symbolische neue City Wall von (dem scheinbar sehr bekannten Architekten ?!?) Kenzo Tange, die aus mächtigen Wohngebäuden besteht.
Zu guter Letzt bestaunte Ursel noch das alte Postoffice, das vor einigen Jahren von einem Feuer zerstört wurde und nicht mehr in Betrieb ist. Da Skopje in 2028 Kulturhautstadt werden soll, wird in der Stadt aber viel gebaut und renoviert… ist noch recht viel zu tun 😉
Nach 17000 Schritten und mindestens so vielen Informationen fielen wir am Abend nur noch ins Nestchen, denn….
… am nächsten Tag ging es direkt weiter zum Matka-Canyon, in dem wir uns auf einem kleinen Boot auf dem Stausee zu einer Höhle schippern ließen. Der Fahrtwind wehte uns um die Schnäbel und Ursula war von den 600 Meter hohen Felsen um uns ganz begeistert! Beeindruckend! Ab und an zog ein Schmetterling an uns vorbei und wir genossen das herrliche Wetter. Die Höhle an sich ist recht unspektakulär zu besichtigen, ist aber wohl eine der tiefsten Unterwasserhöhlen.
Unser Guide versorgte uns mit frischen Kirschen uns wir düsten noch weiter zur Kirche Panteleimon aus den 12.Jahrhundert. Besonders hier ist, dass man hier die ersten Emotionen in Fresken überhaupt sehen kann. Das Ethnodorf nebenan ist leider nicht der Rede wert, aber die Aussicht auf Skopje und der kühle Wind war wunderbar.
Zurück in der Stadt war Ursula nur noch für eine Schlendertour zu begeistern auf der wir Statuen über Statuen fanden, aber auch ein bisschen Leute schauen konnten.
Da unser Heimflug erst am Nachmittag war, konnten wir nochmal zum riesigen Bit Bazaar laufen, auf dem es einfach alles gab von Duschkopf bis Chilipulver. Spannend! Und auch einen Blick in die alte Festung Kale nahmen wir nochmal mit, wobei man hier nur Sackgassen, Steine und Bauruinen sah…. Ein guter Abschluss der Reise 😉
Fazit:
– Mazedonier mögen Flaggen und Statuen,
– Eine Free Tour bei Alexandra ist sehr empfehlenswert und auch die Brutalism-Tour bringt einem diese Stadt auf eine andere Art näher.
– Es gibt so viel Natur und so wenige Menschen in Nordmazedonien!
– Ein bisschen verloren und surreal wirkt hier alles „Neue“. Entweder zu protzig oder nicht fertig.
– Der alte Bazaar ist echt groß!
– Brutalismus ist für Ursel nicht schön, aber besonders.
– Ein Land mit wahrlich wilder Geschichte!











































































27. Mai 2026 at 18:45
sieht sehr interessant und vielfältig aus. Und der Canyon, sehr cool!